Neujahrsbaum und Valentinstag haben Hochkonjunktur

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Was dem Deutschen sein Weihnachtsbaum, das ist dem Türken sein Neujahrsbaum. In den letzten zehn Jahren erfreut sich diese mit Kugeln und Lichterketten geschmückte Tanne zunehmender Beliebtheit. Schon Anfang Dezember werden Einkaufszentren, Hotels und größere Plätze liebevoll und festlich herausgeputzt.
Dabei gehen die Meinungen sowohl in streng islamischen wie auch in westeuropäischen Kreisen auseinander, ob damit christliche Weihnachtsbräuche imitiert werden oder ob zumindest der Baum ursprünglich aus uralten schamanischen Zeiten stammt, als die Göktürken in den Steppengebieten der heutigen Mongolei noch zu ihrem Himmelsgott Tengri beteten. Die Krippe mit dem Jesuskind ist erwiesenermaßen ein christliches Symbol, nicht jedoch der Lichterbaum, der am 21. Dezember auch bei den nordischen Völkern in vorchristlicher Zeit die Geister der Dunkelheit vertreiben sollte. Tatsache ist, dass in türkischen Einkaufszentren Weihnachtsmänner, hier werden sie Noel Baba genannt - wobei das Wort Noel aus dem Französischen übernommen wurde und schlicht Weihnachten bedeutet - zuhauf herumlaufen.
Der Weihnachtsmann hat aber, ebenso wie der Lichterbaum, eine lange Tradition in den vorislamischen Turk-Kulturen – wenn auch in etwas anderer Form: Ayaz Ata (Usbekisch Ayoz Bobo, Kirgisisch: Аяз Ата, Kasachisch: Аяз Ата, Turkmenisch: Ayaz Baba genannt) ist eine mystische Gestalt des Winters: Nicht in Rot, sondern in Hellblau gekleidet, wird er gerne auf einem von Rentieren gezogenen Schlitten abgebildet. Ayaz Ata – der eisige Vater oder auch Väterchen Frost erscheint am 22. Dezember zum Nardugan Bayramı und steht den Armen, Kranken und Hungernden zur Seite. Zu dieser Zeit siegt die Sonne über die Dunkelheit – die Tage werden wieder länger. Hier finden wir auch wieder eine Parallele zum heidnischen Brauchtum der nordischen und keltischen Völker bzw. zu den alten Pfaden.
Sehr lustig finde ich es immer, wenn Türken behaupten, die Christen würden Weihnachten am 31. Dezember feiern. Hierzulande liegen, zumindest in westlich orientierten Familien, am Silvesterabend oder Neujahrsmorgen bunt verpackte Geschenke für die Kinder unter der geschmückten Tanne. Dieser Brauch führte dazu, dass wir damals unsere Bescherung für die türkischen Familienangehörigen ebenfalls auf den 31.12. verlegten. Meine Schwägerin stellt ebenfalls jedes Jahr einen kleinen Baum auf. Inzwischen gibt es echte Tannen im Topf sowie künstliche Bäume - made in China - in jedem Baumarkt zu kaufen. Zweimal versuchten wir es mit einem lebenden Exemplar, das jedoch nie den heißen Sommer überstand, nachdem wir es glücklich im Vorgarten eingepflanzt hatten. Daher ziert nun ein künstlicher Tannenbaum von Mitte Dezember bis Anfang Januar unsere Wohnhalle. Einmal bestückte ich ihn nicht nur mit Weihnachtsschmuck, sondern auch mit Koboldfiguren, und somit hatten wir einen lustigen Koboldbaum.
In ganz Izmir sieht man erleuchtete Bäume in zahlreichen Stuben, und in unserem Viertel zieren blinkende Lichterketten die Eingänge und Bäume. An einem Haus klettert sogar jedes Jahr ein künstlicher Weihnachtsmann in roter Kleidung zum Fenster hinauf.
Eine besonders schöne Weihnachtsüberraschung bereiteten uns Tochter und Schwiegersohn letztes Jahr, als sie plötzlich am 23.12. nachmittags mit ihren beiden Englischen Settern und Geschenken vor unserer Tür standen. Sie hatten den weiten Weg aus Ankara nicht gescheut, und so verbrachten wir ein ganz besonderes Weihnachtsfest und hatten sogar noch ein gemeinsames Frühstück an meinem Geburtstag, bevor sie wieder abfuhren.
Micki und Güldi blieben im ersten Jahr in der Türkei am Heiligabend noch von der Schule fern – hier liegen die Winterferien erst Ende Januar/Anfang Februar – doch dann zogen sie es vor, lieber gemeinsam mit ihren Freunden am Unterricht teilzunehmen, weil außer einem brasilianischen Mitschüler natürlich an diesem Tag niemand fehlte. Da die Schule ohnehin um 14 Uhr 20 endete, versäumten sie zu Hause nicht wirklich etwas.
Wenn der Februar ins Land zieht, ändert sich die Deko schlagartig. Nun schmücken rote Herzen, rote Rosen und Amor-Engel die Einkaufszentren, Plätze und größeren Straßen in der Stadt. In kitschige Plastikherzen verpackte rote Unterwäsche ist, nebst anderen beliebten Valentinstags-Geschenken, ein Verkaufsschlager. Die Restaurants haben jetzt – wie oft zu besonderen Anlässen - Hochkonjunktur, so manch einer führt seine Liebste an diesem Abend ganz fein zum Essen aus. Laut Statistik wird übrigens die meiste Reizwäsche im ultrareligiösen Konya in Mittelanatolien verkauft.

Leseprobe aus dem Buch „Endstation Anatolien
Auswandern? Mit fast vierzig Jahren und zwei schulpflichtigen Töchtern? Und noch dazu in den Orient? Christine Erdic hat es gewagt! Das Morgenland lockt mit bunten Basaren, leuchtenden Farben, einem unvergleichlich blauen Himmel und geheimnisvollen mondbeschienenen Nächten. Doch wie ist das wirkliche Leben hinter dem Schleier der Illusionen? Ein Buch, das das Leben schrieb!
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©byChristine Erdic

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Die deutsche Buchautorin Christine Erdic lebt zur Zeit hauptsächlich in der Türkei.
Beruflich unterrichtet sie in der Türkei Deutsch für Schüler (Nachhilfe), sie gab
Sprachtraining an der Uni und machte Übersetzungen für türkische Zeitungen.
Mehr Infos unter Meine Bücher- und Koboldecke
https://christineerdic.jimdofree.com/
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