Digitale Souveränität im Mittelstand

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Digitale Souveränität im Mittelstand
Studie Digitale Souveränität 2026

Essen, 6. Oktober 2026 – Während globale Tech-Konzerne ihre Marktmacht ausbauen und Cloud- und KI-Angebote immer tiefer in die Geschäftsprozesse von Unternehmen vordringen, stellt sich für den deutschen Mittelstand eine pragmatische Frage: Wie unabhängig kann ein Unternehmen überhaupt sein, dessen Geschäftsprozesse größtenteils von wenigen Technologieanbietern abhängen?

Eine Studie der easy software AG (https://microsite.easy-software.com/de/studie-zur-digitalen-souveraenita...) zeigt, wie eng die eigene digitale Handlungsfreiheit bereits begrenzt ist. 72 Prozent der befragten Unternehmen mit 500 bis 999 Beschäftigten bewerten ihre technische Abhängigkeit als hoch oder sehr hoch. Fast ein Drittel (31 Prozent) ist zudem bereit für mehr digitale Souveränität höhere Kosten in Kauf zu nehmen.

Das IT-Management gewinnt damit eine politische Dimension: Im Juni verabschiedete die EU-Kommission ein neues Technologie-Souveränitätspaket (https://commission.europa.eu/news-and-media/news/strengthening-europes-t...), um Europas eigene Cloud- und KI-Kapazitäten zu stärken. Gleichzeitig versprechen souveräne Cloud-Angebote, europäische Anbieter und hybride IT-Architekturen mit Rechenzentren in Europa mehr Kontrolle über Daten und Anwendungen.

Mehr Auswahl bedeutet jedoch nicht automatisch mehr Unabhängigkeit. Für den Mittelstand gilt es zunächst, seine digitale Handlungsfreiheit im Jetzt zu stärken – und zwar ohne bestehende IT-Landschaften komplett umzubauen oder bei Innovation und Wettbewerbsfähigkeit zurückzufallen.

Ein Blick auf fünf neuralgische Punkte zeigt, wo technologische Abhängigkeiten momentan ein Risiko darstellen können, und welche Maßnahmen greifen:

#1 Gefürchteter Vendor Lock-in: Operative Souveränität

Operative Souveränität stellt die Beziehung zu Anbietern und Dienstleistern auf den Prüfstand: Kann ein Unternehmen seinen Betrieb fortführen, wenn ein zentraler Anbieter wegfällt? Nur 19 Prozent der Mittelständler nennen operative Souveränität als den für sie besonders wichtigen Bereich digitaler Souveränität. Dabei ist das Risiko eines Vendor Lock-ins real: Gerade einmal ein Drittel (34 Prozent) hält es für sehr einfach oder einfach, einen zentralen IT-Technologie-Anbieter zu wechseln.

Operative Souveränität setzt voraus, dass Unternehmen ihre Abhängigkeiten kennen und den Wechsel vorbereiten. Dazu gehören portable Daten, dokumentierte Schnittstellen, klare vertragliche Ausstiegsbedingungen und realistische Migrationspläne für geschäftskritische Anwendungen. Ob IT-Infrastruktur, ERP, CRM oder KI-Modelle – mehr als ein Viertel der Befragten kalkuliert mit Übergangszeiten von über sechs Monaten. Rund sieben Prozent halten einen Wechsel sogar für unmöglich. Umso wichtiger ist es, technische Alternativen, personelle Ressourcen und Migrationskosten frühzeitig einzuplanen, statt erst im Krisenfall nach Auswegen zu suchen.

#2 Problem Legacy-Systeme: Technische Souveränität

Komplexe Altsysteme bremsen den Weg zur technischen Souveränität: Sie erschweren die Modernisierung bestehender IT-Landschaften und machen Migrationen aufwendig. Laut Umfrage zählen 38,1 Prozent der Unternehmen die Komplexität ihrer bestehenden IT-Systeme zu den größten Hindernissen auf dem Weg zur digitalen Souveränität. Im Mittelstand mit 500 bis 999 Beschäftigten sind es sogar 46,9 Prozent. Fast ebenso schwer wiegen Budgetrestriktionen und hohe Migrationskosten (37,5 Prozent).

Für den Mittelstand gilt es deshalb, technische Schulden gezielt abzubauen. Welche Systeme nähern sich ihrem End-of-Life? Wo lassen sich Wartung, Updates und Weiterentwicklung nicht mehr eigenständig steuern? Statt komplette IT-Landschaften auszutauschen, sollten Unternehmen kritische Komponenten schrittweise modernisieren und bestehende ERP- und Geschäftsanwendungen über standardisierte Schnittstellen mit neuen Technologien verbinden.

#3 Cloud-Frage: Daten-Souveränität

Wer in die Cloud zieht, darf die Kontrolle über seine Daten nicht gleich mit auslagern. Der Mittelstand hat das offenbar erkannt: Knapp 40 Prozent der befragten Unternehmen wollen souveräne Cloud-Lösungen künftig stärker nutzen. Gleichzeitig halten 46,9 Prozent an On-Premises-Systemen als Ergänzung zur Cloud fest. Es geht also nicht um einen radikalen Wechsel des Betriebsmodells, sondern darum, die eigene Datenhoheit zu wahren. Wie konkret dieser Anspruch ist, zeigt eine weitere Zahl: 54,3 Prozent der Mittelständler wünschen sich mehr Einblick in Zugriffsprotokolle und Betriebsabläufe souveräner Cloud-Plattformen.

Cloud oder On-Premises ist daher die falsche Frage, wenn es um Datensouveränität geht. Die eigentliche Frage lautet: Welche Daten gehören wohin und wer hat Zugriff darauf? Unternehmen sollten ihre Daten nach Schutzbedarf und Geschäftskritikalität klassifizieren und für jede Anwendung das passende Betriebsmodell wählen. Sensible Informationen können im eigenen Rechenzentrum verbleiben, andere Anwendungen in der Cloud laufen. Hybride Architekturen verbinden beide Welten. Entscheidend sind klar geregelte Zugriffsrechte, nachvollziehbare Datenflüsse und eine revisionssichere Archivierung geschäftskritischer Informationen.

#4 KI auf Autopilot: KI-Souveränität

Schnelle KI ist noch lange keine souveräne KI. Doch genau hier zeigt sich ein Spannungsfeld: Geschwindigkeit, Verfügbarkeit und Skalierbarkeit auf der einen Seite, KI-Governance, Kontrolle und Steuerbarkeit auf der anderen. Im Mittelstand geben 24 Prozent bei Hosting-Entscheidungen eindeutig der Performance den Vorrang – bei Großunternehmen sind es nur 11 Prozent.

Brisant wird das, wenn Unternehmen KI-Agenten Zugriff auf ihr internes Wissen gewähren. Werden Unternehmensdaten ausschließlich für die angeforderte Verarbeitung genutzt oder möglicherweise auch zum Training? Wer kontrolliert die Outputs und die eingesetzten Schutz- und Kontrollmechanismen? Der Schlüssel liegt in einer kontrollierten Bereitstellung von Unternehmenswissen: Dokumente und Informationen sollten zentral in einem DMS oder digitalen Archiv verwaltet, Zugriffsrechte klar geregelt und nur freigegebene Daten für KI-Anwendungen zugänglich gemacht werden.

#5 Schutz in fremden Händen: IT-Sicherheit

Cyberabwehr lässt sich auslagern. Die Verantwortung dafür nicht. Für 54 Prozent der Mittelständler ist IT-Sicherheit die erste Assoziation mit digitaler Souveränität. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an externe Sicherheitsdienstleister: 71 Prozent legen bei der Auswahl eines Managed-SOC-Anbieters Wert auf Datenhaltung in der EU, 70 Prozent auf eine Zertifizierung nach ISO 27001 auf Basis des BSI-IT-Grundschutzes.

Doch europäische Herkunft allein ist noch keine Garantie für digitale Handlungsfreiheit. Auch europäische Cloud-Angebote sind nicht automatisch interoperabel und ein Anbieterwechsel bedeutet nicht zwangsläufig mehr Unabhängigkeit. Für eine souveräne IT-Sicherheit kommt es daher neben dem Sitz des Anbieters und dem Ort der Datenhaltung auch auf überprüfbare Sicherheitsstandards an: unabhängige Zertifizierungen, dokumentierte Sicherheitsprozesse und transparente Verantwortlichkeiten beim Schutz geschäftskritischer Informationen.

„Digitale Souveränität zeigt sich nicht allein daran, welchen Anbieter ein Unternehmen nutzt, sondern auch daran, ob es sich gegen ihn entscheiden könnte“, erklärt Marcel Etzel, Chief Product & Technology Officer der easy software AG. „Am Ende geht es nicht um technologische Autarkie, sondern um Handlungsfreiheit. Gerade mittelständische Unternehmen müssen die Kontrolle über ihr Unternehmenswissen behalten und selbst entscheiden können, wo und wie sie ihre Informationen managen. Und sie müssen diese Entscheidungen bei Bedarf auch wieder ändern können. Dafür braucht es einen realistischen Plan B.“

Die vollständige Studie „Digitale Souveränität 2026“ (https://microsite.easy-software.com/de/studie-zur-digitalen-souveraenita...)steht mit ausführlichen Ergebnissen und Grafiken auf der easy software Website zum Download bereit.

Methodik der Studie:
Die Studie „Digitale Souveränität 2026“ wurde von der easy software AG in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsunternehmen Foundry durchgeführt. Im Rahmen einer Online-Befragung wurden vom 12. bis 21. Mai 2026 insgesamt 312 IT- und Business-Entscheider aus Unternehmen der DACH-Region befragt. 26 Prozent der teilnehmenden Unternehmen beschäftigen zwischen 500 und 999 Mitarbeitende.

Über easy:   
Als Digitalisierungsexperte und führender ECM Software-Hersteller steht easy seit 1990 für rechtssichere, digitale Archivierung und effiziente, automatisierte Geschäftsprozesse. Über 5.400 Kunden in mehr als 60 Ländern und allen Branchen vertrauen auf unser Unternehmen und unser starkes Partnernetzwerk. Unsere Archivierungs-, ECM-, DMS-, P2P- und HCM-Softwarelösungen & Services bilden das digitale Zentrum für datenbasierte Intelligenz und machen Menschen, Unternehmen und Organisationen erfolgreich. easy ist Teil der conrizon AG, der europäischen Holding für marktführende ECM-Marken wie PROXESS, HABEL und Shareflex. www.easy-software.com/de/ 

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