Leseprobe aus der Gruselkomödie LUHG HOLIDAY

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Am Abend saßen wir alle einträchtig am Tisch, bis auf die Ghulkinder natürlich, die wie immer kamen und gingen, wie es ihnen gefiel und dabei durch die ganze Halle tollten. Viele der Gäste waren schon wieder abgereist, doch der Graf mit seiner Familie war noch immer hier und hatte sich direkt neben mich gesetzt, während eine Frau mit einem ungeheuer breiten Mund den Platz an Gudruns Seite ausfüllte. Von Zeit zu Zeit schnellte ihre lange, dünne Zunge hervor, mit der sie geschickt Essenshäppchen aufnahm, die ihr ein Mann mit überdimensionalen Ohren mundgerecht auf ihrem Teller zurechtschnitt. Ich glaubte, in ihm den Pianisten aus der Friday- Night- Show wiederzuerkennen.
Interessiert ließ ich meinen Blick schweifen. Schräg gegenüber saß noch ein Vampirpärchen, das einen recht verliebten Eindruck machte.
„Sie sind auf der Hochzeitsreise. Romantisch, nicht wahr?“, wisperte mir Graf von Drachenfels zu. Ich fühlte, dass seine Augen forschend auf mir ruhten und vermied jeglichen Blickkontakt. Noch immer konnte er mir gefährlich werden. Betty saß mir mit finsterem Gesicht direkt gegenüber und somit auch dem Grafen, wie ich erschrocken feststellte. Hoffentlich beherzigte sie meine Warnung. Momentan war sie damit beschäftigt, ein Steak auf ihrem Teller zu massakrieren. Sicherlich stellte sie sich vor, dass ich das war. Schaudernd wandte ich mich ab und wieder Dimitri zu, der mir mit einem Glas Rotwein fröhlich zuprostete. Ruby erhob sich und lenkte damit die Aufmerksamkeit aller auf sich.
„Das war ein wunderbares Wochenende. Ich habe es genossen, nicht nur die Aufführung, sondern auch das Wiedersehen mit meiner Familie und meinen Freunden“, sie sah mich dabei direkt an, „mein Dank gilt nicht nur meinen Eltern, sondern vor allem den Schauspielern und Gästen, die den Abend zu einem gelungenen Event gemacht haben, das uns sicherlich allen noch lange in Erinnerung bleiben wird. Leider ist die schöne Zeit nun für mich schon wieder zu Ende, ich muss zurück in die Stadt. Ihnen allen wünsche ich noch einen angenehmen Aufenthalt im Luhg Holiday.“
Ich staunte, das war eine lange Rede für einen Ghul. Ich war stolz auf Ruby, aber auch traurig, dass unser Wiedersehen von so kurzer Dauer war. Lange konnte ich jedoch nicht in düsteren Gedanken versinken, denn plötzlich gab es einen Tumult. Aus einer Ecke ertönte lautes Geschrei, und dann flitzte etwas Feuerrotes auf den Tisch zu, fegte darunter hindurch und umklammerte in Todesangst mein Bein.
„Er hat mich gebissen!“, heulte es laut. Fassungslos hob ich die Tischdecke an und blickte in das tränenüberströmte Gesicht des kleinen Oliver.
Graf von Drachenfels zog seinen Sohn erbarmungslos unter dem Tisch hervor und hielt das strampelnde Bündel in die Höhe.
„Das geschieht dir nur Recht. Hoffentlich hast du deine Lektion jetzt endlich gelernt.“
„Draco …“, versuchte seine Frau ihn zu beschwichtigen.
„Nein, Samaritana, ich bin sicher, er hat es verdient“, wehrte er ab.
„Hast du zuerst gebissen?“, wandte er sich an Oliver.
Der schluchzte laut auf. „Ich darf das, ich bin doch ein Vampir!“
„Wen hast du gebissen? Wieder das kleine Ghulmädchen?“, fragte sein Vater streng.
„Nein, den Ghuljungen dort. Igitt Ghulspucke“, anklagend wies er auf Damien, der grad grinsend um die Ecke zur Küche verschwand und dem kleinen Vampir vorher noch eine lange Nase drehte. Angeekelt betrachtete dieser den Zahnabdruck auf seiner fleischigen kleinen Hand. Zwei winzige Blutstropfen schimmerten in einer schleimigen Speichelspur.
„Das geht vorüber, mein Junge. Doch sei auf der Hut! Leg dich nie mit Ghulen an, sonst verwandelt dich ihre Spucke, schneller als du denkst, in einen von ihnen“, warnte der Graf mit einem unterdrückten Lachen in der Stimme. Oliver sah entsetzt zu ihm auf. Nein, das wollte er auf keinen Fall. Vielleicht war Beißen doch nicht so gut …
Ich schaute interessiert auf die Bisswunde. ‚Ganz schön spitze Zähne hat unser kleiner Kobold da. Die stehen denen der Vampire in nichts nach. Koboldspucke …‘, dachte ich. Dann musste ich grinsen. Damien gefiel mir immer besser.
(Auch als E-Books in Einzelbänden WILLKOMMEN IM LUHG HOLIDAY und AUF WIEDERSEHEN IM LUHG HOLIDAY erhältlıch!)
©byChristine Erdic
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Die deutsche Buchautorin Christine Erdic lebt zur Zeit hauptsächlich in der Türkei.
Beruflich unterrichtet sie in der Türkei Deutsch für Schüler (Nachhilfe), sie gab
Sprachtraining an der Uni und machte Übersetzungen für türkische Zeitungen.
Mehr Infos unter Meine Bücher- und Koboldecke
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