Leseprobe aus „Barfuß im Himmel“ von Karina Moebius
Verfasser: Kummer on Tuesday, 31 March 2020Mittwoch! Ja, es ist Mittwoch! Da ist sich Josefa ganz sicher, doch diese Erkenntnis bleibt das Einzige, das ihr einfällt. Sie steht verloren an der Bushaltestelle, irgendwo in der Pampa, im dichten Nebel. Worauf sie wartet, weiß sie nicht. Vermutlich auf den Bus, sonst würde sie ja nicht an der Haltestelle stehen. Doch wo sie hin will und was noch vor fünf Minuten war, bleibt ihr ein Rätsel. Die Umgebung ist vom diffusen Weiß des Nebels verschlungen und sie kann kein einziges Geräusch wahrnehmen. Totenstille. Verunsichert sieht sie sich um, doch außer einer schmächtigen alten Frau, die auf der Bank im Wartehäuschen sitzt, sieht sie nichts und niemanden. Die Alte lächelt ihr freundlich und aufmunternd zu, als wäre sie mit Josefa gut bekannt und wüsste Bescheid.
»Na, die schaut aus, wie wenn s’ gerade aus dem Bett gestiegen wär«, denkt Josefa, während sie die Frau, vor allem deren Frisur, kritisch mustert. Sie würde ja gerne nachfragen, wo sie hier ist, doch dann müsste sie ja dieser merkwürdigen Fremden gegenüber zugeben, dass ihr Kopf wie leer gefegt ist. Und das wäre ja zu peinlich! Plötzlich fährt, wie aus dem Nichts kommend, ein auf Hochglanz poliertes weißes Taxi vor. Die hinteren Türen öffnen sich scheinbar automatisch und lautlos.