Reinhard F. Leiter, Executive Coach München
Autor: Reinhard F. Leiter, Executive Coach München
Es gehört zu den paradoxeren Disziplinen der Moderne, dass der Mensch, der sich für seines eigenen Glückes Schmied hält, zugleich ein Meister der inneren Desertion ist. Eskapismus heißt dieses zarte Gift, dieser süße Rausch, mit dem wir uns von der Welt verabschieden, ohne sie je verlassen zu haben. Ein Begriff, der klingt, als hätte Freud ihn heimlich in den Duden eingeschleust: die Flucht aus der Wirklichkeit in eine selbst gezimmerte, schimmernde Kulisse, die uns verspricht, dass der Lärm des Lebens dort endlich verstummt.
Natürlich fliehen wir nicht, weil wir grundsätzlich undankbare Geschöpfe wären. Wir fliehen, weil die Gegenwart gelegentlich unzumutbar erscheint, laut, schwer und banal. Wer schon einmal in einem durchschnittlichen deutschen Großraumbüro gearbeitet hat, weiß, wovon die Rede ist. Zwischen Deadlines, Dashboard und Dauerbesprechung wächst die Sehnsucht nach dem Anderswo wie Efeu an einer vernachlässigten Hauswand.